Hamburg Ballett: Demis Volpi entlassen, Interimsleitung: Der Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper hat die gemeinschaftliche Interimsleitung des Hamburg Ballett für eine weitere Spielzeit verlängert. Das Team, bestehend aus Nicolas Hartmann, Lloyd Riggins und Gigi Hyatt, hatte die interimistische Leitung des Ballett mit Beginn der Spielzeit 2025/26 übernommen. Die Interimsleitung ist erst einmal bis Mitte 2027 eingesetzt. Parallel laufen die Vorbereitungen für die Findung einer neuen Ballettintendanz.
Der frühere Intendant des Hamburg Balletts, Demis Volpi, hat sich nach mehr als einem Jahr erstmals öffentlich zu den Umständen seiner Demission geäußert. Das Bild, das von ihm gezeichnet worden sei, sei das Porträt eines Monsters gewesen.
Mittlerweile freue er sich, sich wieder auf seine Arbeit konzentrieren zu können, sagte der Deutsch-Argentinier der Wochenzeitung „Die Zeit“ in einem Interview. Es sei aber nicht einfach gewesen. „Anfangs fühlte ich mich wie gelähmt. Ich bin kein Politiker, so was prallt nicht an mir ab.“
Intendant John Neumeier hatte im August 2024 nach 51 Jahren an der Spitze die Leitung des Balletts an Volpi übergeben. Dieser sollte das Repertoire mit neuen Produktionen bereichern, aber auch Neumeiers Erbe erhalten. Nach nicht einmal einem Jahr wurde Volpis Vertrag vorzeitig aufgelöst. Der Grund war massive Kritik aus dem Ensemble: Unter anderem hatten ihm Tänzerinnen und Tänzer in einem Brief an Kultursenator Carsten Brosda (SPD) ein schlechtes Arbeitsklima und mangelnde Kompetenz vorgeworfen.
Enttäuscht zeigte sich Volpi von Kultursenator Brosda. „Anfangs hatte ich noch das Gefühl, dass wir gemeinsam versuchen zu verstehen, was geschieht, um daraus einen Fahrplan zu erarbeiten“, sagte er. Bald sei das aber nicht mehr so gewesen. „Mein Anwalt Peter Raue und ich haben Senator Brosda mehrmals gebeten, mir vor der Kompanie und in der Öffentlichkeit den Rücken zu stärken, vergeblich.“ Da habe er sich im Stich gelassen gefühlt.
Es falle ihm auch immer noch schwer zu begreifen, warum niemand im Senat versucht habe zu schlichten. In diesem Zusammenhang kritisierte Volpi auch seinen Vorgänger: John Neumeier hätte die Autorität gehabt, die Eskalation zu stoppen, wenn es gewollt hätte. Die Hamburger Kulturbehörde reagierte auf das „Zeit“-Interview mit dem Hinweis, dass Behörde und Senator viel Zeit und Kraft investiert hätten, aber nicht alle Seiten gleichermaßen bereit gewesen seien, sich auf Ratschläge einzulassen.
Volpi inszeniert im Frühjahr in Stuttgart
Mit Blick auf seinen Abgang über einen Auflösungsvertrag sagte Volpi: „Wenn der Vorsitzende des Aufsichtsrats nicht hinter dem Intendanten steht, hat man keine Chance.“ Die Perspektive, sich zu wehren, hätte aus seiner Sicht einen jahrelangen Prozess bedeutet, der alle Beteiligten geschädigt hätte. „Der Preis war mir zu hoch.“ Im kommenden Frühjahr will der 40-Jährige mit einem Stück an das Stuttgarter Ballett zurückkehren, wo er lange als Haus-Choreograph tätig war.
Hinterlassen Sie einen Kommentar