Matthias Lilienthal wird Intendant der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.  Außerdem wird ein Artistic Board, bestehend aus den Choreographinnen Florentina Holzinger und Marlene Monteiro Freitas, Teil der Leitung sein.

Intendanten-Etikettenschwindel: Wo sind die Frauen?

Ärgerlich an der neuen Volksbühne bleibt der Intendanten-Etikettenschwindel. Lilienthal wurde 2025 von der Findungskommission explizit mit jungem, weiblichem „Artistic Board“ berufen. Gemeinsam sollte man sich ums Programm kümmern. Das sah von Anfang an nach Feigenblatt aus – und bewahrheitet sich jetzt: Es ist der 66-jährige Chef, der allein entscheidet. Marlene Monteiro Freitas, das stellte sich heute heraus, kennt nicht einmal alle Ensemble-Mitglieder. Florentina Holzinger erscheint nicht einmal zur Programmvorstellung. Auf Nachfrage sagt Lilienthal, man telefoniere ein Mal im Monat für zwei Stunden – das hat mit Zusammenarbeit oder „Artistic Board“ nun wirklich nichts zu tun.

Darüber hinaus ist die Übernahme der Volksbühne natürlich immer eine Kamikaze-Aufgabe. Kein anderes deutschsprachiges Haus hat einen derartigen Nimbus aus linkem Theater, Protest, Dekonstruktion, Avantgarde, Crash. Die unerfüllbare Erwartung an die Volksbühne bleibt stets, der paradoxen Avantgarde-Tradition zu folgen und das Theater auf geniale Weise neu erfinden zu sollen. Künstlerisch sieht man bisher beim Blick aufs Programm noch keine mutigen, avantgardistischen Großprojekte aufsteigen. Die Umarmungsgeste an Berlin, zwei Monate lang ein Freibad aufzustellen, umsonst, als Gegenentwurf zu einer Stadt, in der alles immer öfter geschlossen bleibt, ist allerdings erst einmal: großartig.