Rainer Glaap schreibt in seinem lesenswerten Blog:

„Der Vertrag der aktuellen Intendantin Barbara Mundel (67) der Münchner Kammerspiele läuft zum Ende der Spielzeit 2027/28 aus. Die Stellenausschreibung über die Kulturexperten (PDF), einem kommerziellen Vermittlungsportal für Kulturarbeit, hat für eine große Welle gesorgt, da anscheinend von den zuständigen Stellen in der Münchner Kulturpolitik niemand mit der Intendantin gesprochen hatte, ob sie selbst Interesse an einer Verlängerung ihres Vertrages habe. Mittlerweile hat die Intendantin in einer Pressemitteilung ihrerseits erklärt, dass sie an einer Verlängerung ihres Vertrages über 2028 hinaus kein Interesse mehr habe (Wortlaut bei nachtkritik.de). Die Bewerbungsfrist endet am 31.7.2026.

Barbara Mundel hatte einen schweren Start während der Coronazeit. Auch danach dauerte es, bis die notwendige Betriebstemperatur erreicht wurde. In der Presse wurden wiederholt die niedrigen Auslastungszahlen kolportiert, 2022/23 lag sie bei 57,5%.

Es gab dann ein paar notfallartige Rettungsmaßnahmen, die eingeleitet wurden, um den von der Intendantin eingeschlagenen Kurs zu korrigieren. Von einem Wechsel in der Dramaturgie ist die Rede und von Widerstand im Ensemble. Vor allem aber wurde 2024 von der Stadt München, als deren Eigenbetrieb das Theater ja firmiert, ein sogenannter Rat für die Kammerspiele eingesetzt, der die künstlerische Leitung unter Zugzwang setzte und zu einer Veränderung ihrer Spielplanpolitik brachte. Nach drei Jahren ziemlicher Düsterkeit – die Rede ist von mageren Auslastungszahlen um die 60 Prozent – waren zuletzt erste Lichtstrahlen sichtbar.

Simon Strauss in der FAZ am 21.3.2026

Die Besuchszahlen für die abgelaufene Spielzeit 2025/26 sind hervorragend:

Rund 170.000 Besucherinnen und Besucher kamen in der gerade vergehenden Saison, die damit „die besucherstärkste seit der Datenerfassung von 2004“ ist.

Michael Stadler in der AZ, 11.6.2026

Warum das „die besucherstärkste seit der Datenerfassung von 2004“ sein soll, erschließt sich nicht ganz. Eine Datenerfassung gibt es seit vielen Jahrzehnten, z. B. in der Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins. Möglicherweise wurde 2004 das Ticketingsystem gewechselt und man sieht heute in den Kammerspielen die Daten bis zurück zum Zeitpunkt des Wechsels, aber das ist Spekulation.

Hinweis: Über Auslastungszahlen schreibe ich nicht gerne. Warum, erläutere ich hier (inkl. interaktivem Auslastungsrechner).

Licht im Dunkeln

In der Berichterstattung über Besuchs- und Auslastungszahlen herrscht i.d.R. eine gewisse Geschichtsvergessenheit. Man blickt gerne ein oder zwei Spielzeiten zurück, das große Ganze will oder kann man nicht sehen.

Um hier Licht ins Dunkel zu bringen, habe ich Zahlen aus der Theaterstatistik bis zurück zu 1998/99 extrahiert und zusammengestellt. Da die Münchner Kulturbehörde die Zahlen in ihren Jahresabschlüssen „Eigenbetrieb Münchner Kammerspiele“ immer inkl. der Gastspielzahlen (Auswärtige Besuche) und inkl. der Zahlen der Aufführungen der Otto-Falckenberg-Schauspielschule erfasst (in der Theaterstatistik nie separat erfasst), stelle ich in dieser Zusammenstellung die Gesamtzahl aus Besuchen am Standort und den auswärtigen Gastspielen dar. Das macht die Aufteilung in Sparten und die Vergabe von Frei- und Ehrenkarten leicht undurchsichtiger. Für die Konsistenz der Darstellung ist das hier aber angemessen. In meinen übrigen Auswertungen berechne ich immer die Zahlen der Besuche am Standort.“

Weiteres auf:  https://publikumsschwund.com/